FAQ

1Gibt es sichere historische Anhaltspunkte dafür, dass Maria Magdalena die Lebensgefährtin oder Ehefrau des Jesus von Nazareth gewesen ist?
Nein, die gibt es nicht. Jedenfalls sind sie nicht sicher überliefert. Allerdings ist es auffällig, dass Maria Magdalena in den Evangelien nie über einen Mann definiert wird und eine sehr selbständige Stellung innehatte. Außerdem lebte sie in großer Nähe zu Jesus. Dass sie wohlhabend, gebildet und unverheiratet war, liegt nicht ganz im Bereich des Unwahrscheinlichen. Dazu gesellt sich ein Zweites: Zu den Vorzügen des Judentums im Vergleich mit dem Katholizismus gehört die Tatsache, dass seine Geistlichkeit, die Rabbiner, verheiratet sein sollten, damit sie aus der Erfahrung eines Alltags, in den die Sexualität auf natürliche Weise integriert ist, die Schriften auslegen. Jesus wird in den Evangelien oft mit Rabbi oder Rabbuni angesprochen. Dass er eine Frau an seiner Seite hatte, möglicherweise sogar Maria Magdalena, liegt durchaus im Bereich des Möglichen.
2Kann es sein, dass Jesus von Nazareth in den Evangelien deshalb als „Auferstandener“ geschildert wird, weil er am Kreuz gar nicht gestorben ist, sondern nur bewusstlos war?
Für Geschichtswissenschaftler und Mediziner, die sich in der Vergangenheit kritisch mit dem Leben des historischen Jesus auseinandergesetzt haben, ergeben sich zu der Frage, ob Jesus von Nazareth am Kreuz gestorben ist oder nicht, einige Ungereimtheite:

  • Die Hinrichtungsweise der Kreuzigung diente nicht einem schnellen Tod, sondern war von den Römern bewusst als langwierige und qualvolle Foltermethode angelegt, um besonders abschreckend zu wirken. Das Körpergewicht des Gekreuzigten hing nur bedingt an den Nägeln, vielmehr saß der Verurteilte auf einer sogenannten sedecula, einem schmalen Brett. Ohne dieses Brett würde er innerhalb einer Stunde durch Ersticken sterben. Todeskandidaten, die bei normaler Gesundheit waren, lebten am Kreuz in der Regel drei Tage und länger. Sie starben an Erschöpfung, Durst und Hunger.
  • Folgt man den Evangelien, wurde Jesus um die dritte Stunde gekreuzigt und „verstarb“ um die neunte, hing also etwa von neun Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags am Kreuz. Nach nur sechs Stunden starb ein Gekreuzigter in der Regel noch nicht.
  • Sogar Pilatus wunderte sich, „dass er schon tot war“, wie es im Markusevangelium heißt. Seine Reaktion zeigt: eine Kreuzigung von nur sechs Stunden reichte üblicherweise nicht aus, um daran zu sterben.
  • Der Lanzenstich in die „Seite“ wird nur im Johannesevangelium (Vers 19,34) erwähnt. Der Evangelist macht keine Angaben dazu, wo genau Jesus gestochen wurde - Hüfte, seitlicher Bauch oder Brustkorb -, noch ist explizit ein Stich ins Herz erwähnt. Dazu braucht es zudem gründliche anatomische Vorkenntnisse. Man weiß auch nicht wirklich, wie tief dieser Stich ging. Möglicherweise wollte der Soldat über den Lanzenstich nur herausfinden, ob der Gekreuzigte noch eine Reaktion zeigte oder nicht. Die Tatsache, dass sogleich Blut und Wasser herauslief, ist eher ein Beweis dafür, dass Jesus zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Für eine spontane und auch aus der Entfernung deutlich sichtbare Blutung braucht es eine Kreislaufunterstützung. Tote bluten nicht so auffällig stark bzw. recht bald überhaupt nicht mehr. Der Austritt von Blut und Wasser aus einem „Leichnam“ ist aus medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich.
  • Auch folgendes kommt hinzu: Nach dem medizinischen Verständnis der Antike besteht der Mensch aus Blut und Wasser. Der Evangelist folgt also, um den Tod Christi als zweifelsfrei darzustellen, den Vorstellungen der damaligen Ärzte. Ebenso wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die metaphorische Bedeutung, vor allem des „Wassers“: Hier spielt die alttestamentliche, frühjüdische und urchristliche Symbolik eine entscheidende Rolle: „Wasser“ ist ein Bildwort für den Geist Gottes, der im Alten Testament häufig als „Quelle lebendigen Wassers“ beschrieben wird. Mit dem Ausfließen des Wassers bekommt Jesu Tod eine eigene Heilsbedeutung im Sinne einer „Geburt der Kirche aus der Seite Jesu“. Hinter dieser Bibelstelle steht also mehr eine theologische Absicht als dass sie ein tatsächlicher Todesbeweis wäre.
  • Aufgeklärten Theologen ist es durchaus bewusst, dass die Evangelien nicht als Texte im Sinne einer historisch-kritischen Geschichtsschreibung anzusehen sind. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um sog. „Bekenntnisschriften“ – so der Fachbegriff. Man kann auch sagen: Hier haben wir frühe PR-Texte vor uns, die als gezielte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den historischen Jesus von Nazareth und seine Botschaft verstanden werden können. Sie sollen Menschen bis heute veranlassen, an Jesus von Nazareth als Sohn Gottes zu glauben, außerdem an seinen Tod, seine Auferstehung von den Toten und seine Himmelfahrt. Natürlich auch daran, dass seine Apostel und ihre heutigen Nachfolger „von Gott Berufene“ sind und damit besonders auserwählt.
  • Der Evangelist Johannes zitiert unmittelbar nach seinem Bericht vom Lanzenstich das Buch Exodus, Vers 12,46, wo es heißt: „Keinen Knochen dürft ihr daran zerbrechen“, um zu unterstreichen: weil Jesus die Schenkelknochen nicht gebrochen und „nur“ seine Seite mit einer Lanze gestochen wurde, erfüllt er das Schriftwort. Was wiederum beweisen sollte: Dieser Mensch ist Gottes Sohn. Möglicherweise hat der Lanzenstich, der auffälligerweise in keinem anderen Evangelium erwähnt wird, gar nicht stattgefunden, sondern wurde von Johannes hinzugedichtet, um die Göttlichkeit Jesu zu unterstreichen.
  • Warum sollte sich die Schöpfung oder wie immer man sich das vorstellt, was Menschen „Gott“ nennen, über die von ihr selbst geschaffenen Naturgesetze der Biochemie hinwegsetzen? Ein Mensch, der tatsächlich tot ist, verwest. Es ist schon rein biochemisch gesehen unmöglich, einen normalen Stoffwechsel zu bekommen, wenn im Körper seit sechsunddreißig oder mehr Stunden Zersetzungsprozesse stattgefunden haben. Zu glauben, ein tatsächlich gestorbener Mensch könne wieder lebendig werden, kommt einem Glauben an Geister und Gespenster gleich.
Denkt man alle Aspekte rund um die Kreuzigung zu Ende und zieht historisches und medizinisches Wissen hinzu, kann man durchaus zu folgendem Ergebnis kommen: Jesus von Nazareth hat die Kreuzigung mit großer Wahrscheinlichkeit überlebt. Die Erfahrungen der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts haben zudem gezeigt, dass Menschen weitaus schwerere Verwundungen überleben können, als sie ein Gekreuzigter erfährt.

An dieser Stelle kommt auch die Sprache ins Spiel. Bis heute ist von „Tod“ und „Auferstehung“ des Jesus von Nazareth die Rede. Doch Überleben ist etwas anderes als Sterben und Wiederauferstehen. Im Übrigen täte es Jesu Botschaft und ihrem hohen Wert für das menschlichen Zusammenleben gar keinen Abbruch, wenn er die Kreuzigung überlebt hätte und gar nicht gestorben wäre.

Dass noch im 21. Jahrhundert ausgewiesene Fachleute, in diesem Fall erfahrene Gerichtsmediziner, einen Menschen fälsch­licherweise für tot halten können, zeigt ein Bericht, der am 17. September 2007 in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war:

„Toter“ wacht auf dem Seziertisch auf
Caracas – Ein für tot erklärter Mann in Venezuela ist einem Zeitungsbericht zufolge auf dem Seziertisch wieder aufgewacht, als ein Gerichtsmediziner mit der „Leichenöffnung“ begann. „Ich bin wach geworden, weil der Schmerz unerträglich war“, sagte der 33-jährige Carlos Camejo nach einem Bericht der Zeitung El Universal. Zu dem Moment hätten auch die Gerichtsmediziner erkannt, dass etwas nicht stimme, denn aus dem Schnitt im Gesicht sei Blut gequollen. Daraufhin hätten sie versucht, die Wunde wieder zu verschließen. Camejos Frau, die im Leichenschauhaus zur Identifizierung der Leiche eintraf, sah dem Bericht zufolge, wie ihr Mann auf den Korridor geschoben wurde – und lebte. — Reuters
3Warum äußert sich Jesus von Nazareth im Kapitel 21 Ihres Buches eindeutig ablehnend über die Beschneidung?
Die Ablehnung der Beschneidung durch Jeschua stammt nicht von mir. Ich habe an manchen Stellen der Erzählung einige zentrale Logien aus dem Thomasevangelium eingeflochten. Dieses Evangelium ist nicht wesentlich jünger als die kanonischen Evangelien, datiert wird es um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. (oder sogar früher), wird aber von der Kirche nicht anerkannt, weil darin weder die Rede von Wundern ist noch von einer Auferstehung. Der Jesus des Thomasevangeliums ist vielmehr von einer ungeheueren und für das zweite Jahrhundert absolut erstaunlichen Modernität! Ich bin bei der Lektüre dieses Textes, der ja erst 1945 bei Nag Hammadi in Ägypten durch einen Zufall entdeckt worden ist, sehr überrascht gewesen. So heißt es im Vers 53 wortwörtlich: "Seine Schüler sprachen zu ihm: "Nützt die Beschneidung wirklich (etwas)?" Er sprach zu ihnen: "Wenn sie (etwas) nützte, dann würde deren Vater sie beschnitten von ihren Müttern zeugen. Vielmehr ist die wahre Beschneidung im Geiste total nutzbringend geworden."“ Dieses Logion 53 hat mich gehörig ins Nachdenken gebracht - auch und vor allem auf dem Hintergrund der Erkenntnisse des tschechisch-amerikanischen Psychiaters Stanislav Grof. In einem seiner Werke ("Die Psychologie der Zukunft - Erfahrungen der modernen Bewusstseinsforschung") beschreibt Grof die perinatalen Ebenen des Unbewussten und unterscheidet zwischen einer ersten, zweiten, dritten und vierten perinatalen Matrix. Eine Beschneidung acht Tage nach der Geburt würde, folgt man Grof, eine tiefgreifende postnatale Traumatisierung bewirken, zu der - weil ein Säugling noch keine rationalen Verarbeitungsmöglichkeiten besitzt - ein betroffener Junge als Erwachsener kaum noch einen emotionalen Zugang bekommen kann, um diese Verletzung zu verarbeiten. Sie bleibt also unverarbeitet und kann (aber muss nicht) zu bestimmten seelischen Verhaltensmustern führen.

In die Entwicklung meiner im Buch geäußerten Hypothese (und mehr ist es natürlich nicht), dass die Juden - auch - deshalb schwächer als die Römer waren, weil sie als Säuglinge beschnitten wurden, sind folgende Gedanken und Überlegungen eingeflossen:

  • Das jüdische Volk hat eine entsetzliche Geschichte von Verfolgung hinter sich und musste mit dem Holocaust auch noch das furchtbarste Menschenrechtsverbrechen der Geschichte ertragen. Bis heute, in seinem eigenen Land, hat es sich kaum wirklich "durchsetzen" können, wurde immer angegriffen, ausgegrenzt, attackiert. Das ist doch auffällig. Was "fehlt" diesem Volk, das doch zu einem der ganz großen Kulturvölker gehört? Führt die unmittelbare postnatale Traumatisierung der neugeborenen Jungen durch die Beschneidung möglicherweise doch zu einer psychischen Schwächung? Ich will das einfach nur als Frage in den Raum stellen.
  • Die schlimmsten Kriege in der Geschichte der Menschheit waren und sind bis heute oftmals Religionskriege. Aktuell vor allem von Religionen, in denen männliche Nachkommen beschnitten werden. Im israelisch-palästinensischen Konflikt, der seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe kommt, stehen sich sogar zwei Religionsgemeinschaften gegenüber, die eine Beschneidung ihrer Söhne praktizieren. Es ist auffällig, wie sehr im Islam der "heilige Krieg" eine Rolle spielt und von den fundamentalistischsten seiner Vertreter auch brutal praktiziert wird.

Ist es denkbar, dass die Frühtraumatisierung von Jungen später kompensiert wird durch eine besondere Gewaltbereitschaft, so als wolle sich das beschnittene Kind an der Umwelt rächen, die ihm eine unumkehrbare Verletzung an seinem sensibelsten Körperteil zugefügt hat? Das ist eine weit in die Tiefenpsychologie gehende Frage, der allerdings Psychologen, Politiker und gesetzgebende Organe sehr viel mehr Aufmerksamkeit schenken müssten.
 

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