Leseprobe

„Oft hatte ich beobachtet, dass es zwei Arten von Feindschaft gibt. Beide hatte ich sauber zu unterscheiden gelernt: die Feindschaft, die sich von Unterdrückung zu befreien versucht, um zu überleben und frei zu sein. Und die Feindschaft, die letztlich den Rollentausch mit den Mächtigen will. Gespeist vom unterschwelligen Wunsch, so zu werden wie sie. Die Metamorphose vom Opfer zum Täter. Das macht mir Angst. Ich fürchtete Simon Petrus. Eines Tages, wenn er Macht haben sollte, wird er so mit uns umgehen, wie Rom es tut. Der tiefste Grund, weshalb ich den Fischer ablehnte, war meine Furcht vor ihm. Ich wollte es mir lange nicht eingestehen. Dass ich mir immer wieder eine Rüstung anlegen muss, ist mir zuwider.
Von so einem wirst du keine Gnade erwarten können, Mariam. Sei also wachsam wie ein Wolf und wappne dich. Lea hatte mir, als wir von Magdala aufbrachen, heimlich ein Messer zugesteckt. Wortlos hatte sie es mir gereicht, mit einem stummen Blick, als fürchte sie den Satz, der in dieser Geste verborgen lag: Irgendwann wirst du es brauchen müssen.“


Die Schilderung der Feindschaft zwischen der Frau aus Magdala und dem Fischer Simon Petrus ist eine Schlüsselerzählung, deren Protagonistin zum Modell wird für die Mündigkeit des Individuums und seine Emanzipation von jeder Religion.

 

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