„Erlösen müssen Menschen sich schon selbst“

Jesus, weiblich ergänzt
9. September 2015
Knallzart!
9. September 2015

„Erlösen müssen Menschen sich schon selbst“

„Erlösen müssen Menschen sich schon selbst“

In sehr poetischer und kluger Weise rechnet dieses bemerkenswerte Buch mit den Erlösungstheorien der monotheistischen Religionen ab. Das Leben Christi (hier Jeshua) wird aus der Sicht seiner Gefährtin Mariam (besser als Maria Magdalena bekannt) geschildert, die Geliebte und gleichzeitig kritische Beobachterin seines Weges bis zum Kreuz ist: „Die Lust am Tod, an Leiden, an Kasteiung, ich hielt sie für gefährlich“. Das Buch ist der spannende Roman der Liebschaft mit einem Mann, der eine Mission hatte, der nach seinem Tod als Gott verehrt wurde, aber nur Mensch war. Thema ist dabei weit mehr als nur eine Kritik patriarchalischer Gesellschaften, es geht um die Ursachen dafür, dass unter dem Judenstern, dem Kreuz und dem Koran „heilige Kriege“ geführt werden konnten und können. Das Zitat des christlichen Kirchengründers Simon Petrus aus dem Thomasevangelium „Denn Frauen sind des Lebens nicht würdig“, könnte auch von einem orthodoxen Juden oder einem moslemischen Fundamentalisten stammen.
Die Antwort von Naumanns schönem Roman auf Gewalt und Religionen, deren Alleinvertretungsanspruch zu Gewalt führen muss, ist die Liebe: „Als seine Hand meine Wange berührte, durchfuhr mich ein Schauer und gemeinsam betraten unsere Leiber den Ort, an dem es kein Denken mehr gibt. Nur noch die Lust am Sein“. Die Aussage erinnert mich an das wunderbare Gedicht von Martin Buber, in dem er dem (angeblichen) Zwang, „Gewalt zu üben“ sein „drum lasst uns gewaltig lieben“ entgegensetzt.
Schade nur, dass das Buch, dem man eine breite Leserschaft wünscht, dank seines klerikalen Motivs auf dem Titel (auch wenn es thematisch passt), sich den Zugang zu dieser Leserschaft etwas erschwert.

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